Unterwegs von Peking nach Hong Kong - die Reiseroute

Montag, 31. Juli 2006

Chinesengucken

Am Wochenende war ich Chinesengucken. Die Insel Kinmen (auf chinesisch Jinmen) ist ein Fenster nach China, denn sie liegt nur wenige Kilometer vor dem Festland.

Kinmen ist nur etwa 10 auf 20 Kilometer gross, hat schoene, alte Doerfer, einsame Sandstraende, unzaehlige Teiche, die Zugvoegel als Zwischenstation dienen...

... und Kinmen hat die wohl hoechste Dichte an Schlachtenmuseen. Seit die Insel 1949 in den Haenden der nach Taiwan gefluechteten Nationalisten blieb, haben ihre Einwohner eine Invasion und zahllose Artilleriebeschiessungen durch China erlebt.

Lange ein Militaersperrgebiet ist Kinmen heute auch fuer Auslaender frei zugaenglich. Allerdings nicht vollstaendig. Ueberall biegen links und rechts Strassen ab, die an vierfruchtgestrichenen Toren enden, an den Straenden stecken Metallpfosten wie Speere im Sand und ueberall warnen kleine, rote Dreiecke: "Achtung Minen".

Fuer die Taiwanesen ist Kinmen trotzdem eine Touristendestination. In Bussen werden Sie von Schlachtfeld zu Schlachtfeld, von Kriegsmuseum zu Kriegsmuseum gekarrt. Der Hoehepunkt: Der Blick durch die starken Nikon-Fernrohre aufs Festland. In Amoy - der Hafenstadt gegenueber - sieht man geradewegs in die Fenster der Plattenbauten. Davor tuckern friedlich Fischerboote. Amoy scheint zu boomen. Durchs Fernrohr erspaehe ich mindestens drei Dutzend Baukrane.


Chinesen nicht willkommen: Amoy (im Hintergrund) ist zwar kaum 10km weit, aber eine andere Welt.

Vor ziemlich genau 10 Jahren war ich an einem anderen Ort Chinesengucken, in Blagoveschensk, einer Stadt im Russischen Fernen Osten am Grenzfluss Amur. Auch da war ich auf der beschaulichen, fast verschlafenen Seite, waehrend die chinesische Stadt Heihei gegenueber vor Selbstvertrauen (und Hochhaeusern) zu strotzen schien.

Ein Unterschied zwischen Blagoveschensk 1996 und Kinmen 2006 ist allerdings augenfaellig. Waehrend damals die russischen Militars mit Patroullienbooten und auf Wachtuermen klare Praesenz markierten, haben die Taiwanesen Ihre Verteidigungspositionen diskreter gestaltet.

Friedlicher und weniger exposiv ist die Situation deswegen noch lange nicht.


Offensichtlich die beiden grossen Gefahren in Kinmen: Minen und illegale Glaceverkaeufer...

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Patrick
Dein Taiwan-Blog gehört wie die Wikipedia-Startseite zu meinem Tagesritual. Der Frust ist jeweils gross, wenn du nichts Neues gepostet hast. Danke lässt du uns teilnehmen an deinen Abenteuern. Ich geniesse sie jedenfalls ausgiebig.
Es liebs Grüessli aus dem verregneten Wasserschloss!
Claudia

Patrick Zoll hat gesagt…

Liebe Claudia

Ich gebe mir alle Muehe, regelmaessig zu "posten". Allerdings sind Internetcafes in Taiwan gar nicht so dicht gesaeht. Zu viele Leute haben einen Anschluss zu hause. Und: Wenn ich immer in Internetcafes sitzen wuerde, gaebe es ja gar nichts mehr zu berichten.
Dir aber herzlichen Dank, dass du zu den regelmaessigen Leserinnen gehoerst.

reiswolf hat gesagt…

hallo patrick, bin via google auf deine seite gestoßen. hab gesehen du bist von taiwan nach jinmen gefahren, ich würde mich sehr darüber freuen wenn du mir sagen könntest wie lange das ganze dauert, wo man ankommt in taiwan(...) und was das ganze so ca. kostet. vielen dank schonmal, mfg k