Unterwegs von Peking nach Hong Kong - die Reiseroute

Freitag, 17. Oktober 2008

Abschied vom Mikrokosmos

Jeden Abend durchquere ich auf dem Heimweg die gleiche Unterführung. Sie ist nicht bloss ein sicherer Weg auf die andere Strassenseite, sie ist ein eigentlicher Mikrokosmos:

  • Morgens der bambusflötenspielende alte Mann, der ein Lächeln auf die Lippen der vorbeieilendenden Menschen zaubert.
  • Abends die Gruppen von jüngeren und älteren Menschen, die Fussfederball spielen – sich gegenseitig einen etwas grösseren Federball zukicken. Und immer wieder was zu lachen haben, wenn ein Kick daneben geht und etwas zum kommentieren, wenn ein besonderer Trick gelingt.
  • Die pünktlich zum Feierabend auftauchenden fliegenden Händler, Tibeterinnen mit Babys auf dem Rücken verkaufen Schmuckstücke. Und der undefinierbar junge Chinese gefälschte iPods.
  • Der Maler, der Porträts (Kohle auf Papier) anbietet, bei dem aber noch nie jemand abgesessen ist.
  • Der Musiker mit Gitarre, Mikrofon und Verstärker, der innbrünstig seine Balladen singt. Und bei dem sich sogar kleine Grüppchen von Zuhörern ansammeln. Seine CDs scheinen aber trotzdem liegen zu bleiben.
  • Der Bettler, der immer beim Ausländer ein wenig lauter ruft.
  • Die Polizisten, die eines Abends aus unerfindlichem Grund angetrabt kommen und sich strammstehend, ernsthaft dreinblickend in allen Ecken der Unterführung und auf der Strasse oben positionieren. Und dabei vom Volk gefliessentlich ignoriert werden.

Zu sehen gibt es immer etwas. Und immer wieder etwas neues.

Ich werde diese Unterführung und ihre "Bewohner" vermissen.

Keine Kommentare: