Wir wollen ins Hinterland der Provinz Zhejiang – weg von den modernen Küstengebieten in eine ländliche, bergige Region. Die nächste Station mit dem Zug ist Lishui. Laut Reiseführer soll da vom „Lao Chezhang“, dem alten Busbahnhof, Busse fahren.
Sicherheitshalber fragen wir im kleinen Strassenrestaurant, wie man nach Hexi – so heisst unser Ziel – kommt. Der Restaurantinhaber schaut uns verdutzt an – und googelt flink den Ort auf seinem Computer. „Ach, in die Region Jingning wollt ihr“, meint er und erklärt uns den Bus zum alten Busbahnhof.
Da alle im Bus wissen, wo die Ausländer hinwollen, tönt auf einmal mehrstimmig: „Lao Chezhang. Hier aussteigen“.
Doch wir sehen nur ein zehnstöckiges Gebäude im Rohbau. Bald seht fest: Das WAR der alte Busbahnhof.
Wo fahren jetzt die verflixten Busse nach Jingning?
Das Gebäude nebenan ist etwas weiter fortgeschritten. In der Lobby hat es ein Verkaufsbüro der Baufirma. Nach einigem Hin- und Her sind sich die Anwesenden einig: Die Busse nach Hexi, Jingning fahren vom West-Busbahnhof.
Schon wollen uns die freundlichen Damen ein Taxi rufen, als auf der anderen Strassenseite ein Polizeiauto stoppt und wild hupt. Auf dem Hintersitz gestikuliert einer der Männer, der eben noch in der Lobby war und den ich nach dem Weg gefragt hatte.
„Steigt ein, wir fahren euch zum West-Busbahnhof“, ruft der Mann. Der Polizist im Fahrersitz nickt freundlich und winkt uns, hinüber zu kommen.
Etwas zögernd steigen wir ein. Nicht recht wissend, auf was wir uns einlassen.
Auf direktem Weg werden wir zum Busbahnhof gefahren.
Als ich die Dame am Schalter nach dem nächsten Bus frage heisst, es: „In zwei Minuten, wenn ihr nicht zu lange trödelt“.
Schon sitzen wir im Bus nach Hexi. Unsere Helfer sind mittlerweile verschwunden.
In China können Polizisten wirklich noch Freund und Helfer sein. Oder eben auch mal Privatchauffeur.
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